SABINE GAUSEMEIER, 61

PR-SPEZIALISTIN

Schläft ein Lied in allen Dingen,

die da träumen fort und fort,

und die Welt hebt an zu singen,

triffst Du nur das Zauberwort.

– Joseph von Eichendorff, 1835

GoF: Sabine, Du sagst, dass in jedem Unternehmen wertvolle und unverwechselbare Geschichte stecken, die erzählt werden wollen. Welches ist Deine persönliche Story? 

 

Sabine Gausemeier: Meine Story sind Geschichten. Ich habe schon als Kind total gerne gelesen. Irgendwann wurde bei uns im Ort eine Stadtbibliothek eröffnet, und da hat meine Mutter mich eingeschrieben. Eigentlich habe ich mein Leben lang gelesen, mich faszinieren einfach gute Geschichten. Deswegen habe ich glaube ich auch heute die Fähigkeit, die Geschichten in den Unternehmen zu finden und in Textform zu bringen, von der unternehmenseigenen Storyline bis zum Storyboard.

 

Es heißt, dass viele Jüngere nicht mehr das klassische Buch lesen, weder gedruckt noch als E-Book. Dann wird es bald kein Storytelling mehr geben, wenn keine Bücher mehr gelesen werden.

 

Nee, das hat damit nichts zu tun. Storytelling gibt es ja schon, seitdem sich die Neandertaler abends am Lagerfeuer Geschichten erzählten und so ihre  Erlebnisse weitergetragen haben. Das Thema ,Menschen lieben Geschichten‘ gibt es schon seit Urzeiten, aber das Leseverhalten ändert sich. Wenn wir uns  die kleinen Snippets auf Social Media angucken, wie komprimiert da eine Geschichte erzählt werden muss, das ist ja etwas ganz anderes, als wenn ich in der ZEIT einen Leitartikel lese. Diese Fähigkeit gerade junger Leute, lange Texte zu lesen, die schwindet meiner Wahrnehmung nach.


„Im Storytelling sind diese vielen Facetten wie in einem Kaleidoskop vereint, dessen kleine Einzelteile immer wieder neu und passend erzählt werden können.“


Deswegen verändert sich seit längerem auch die Art, Artikel zu schreiben. Man schreibt zunehmend in Textblöcken mit Zwischenheadlines, mehr häppchenweise, um die Leser nicht schon optisch zu verschrecken. Aber wenn die Story an sich wirklich gut ist, dann schaff man es auch, dass der Leser bis zum letzten Wort liest.

 

Auch die Jüngeren … 

 

… ja, aber dann sind die Texte vielleicht kürzer. 

 

Long Story short: Man braucht also auf jeden Fall eine gute Story, und die muss dann je nach Zielgruppe und Kanal immer anders aufbereitet werden. Aber was macht man, wenn diese ganzen Erregungsspiralen in Social Media sich immer schneller drehen. Wie erzeugt man bei Unternehmenskommunikation Konsistenz und schafft einen nachhaltigen, langfristigen Marken-Aufbau, gerade gegenüber einer jungen und eher sprunghaften Zielgruppe?

 

Auch eine Unternehmensstory, die der Frage folgt ,Wofür steht das Unternehmen und wofür will es wahrgenommen werden?‘ hat ganz viele Facetten, und die gilt  es dann aufzubrechen und immer neu zu verpacken. Diese Facetten sind wie in einem Kaleidoskop vereint, dessen kleine Einzelteile immer wieder neu und passend erzählt werden können.

 

Glaubst Du, Jüngere könnten so einen Job auch übernehmen? Die Unternehmen wählen Dich aufgrund Deiner Erfahrung und keinen zwanzigjährigen Social Media Creator, der auf TikTok 500.000 Follower hat.

 

Das kommt sicherlich drauf an, für wen ich die Geschichte erzähle. Ich bin viel im B2B-Bereich tätig, und ich glaube, dass ich da ein ganz gutes Händchen habe. Die Kommunikation findet dort anders statt, als in B2C. Nichtsdestotrotz gibt es Unternehmen, die beispielsweise auf TikTok präsent sind und sich dort als Arbeitgeber attraktiv darstellen. Und das einfach mit einer großen Portion Humor, um Menschen auf sich aufmerksam zu machen, ohne ihr Business  zu verlieren.


„Wenn Du Dir heute eine Folge von Dallas, Denver oder Bonanza anschaust, dann ist das ja kaum noch auszuhalten.“


Meine persönliche Erfahrung ist, dass jüngere Menschen oft noch nicht in Stories denken. Das mag daran liegen, dass die vielleicht nicht so gerne lesen, dass die Erfahrung fehlt, was Geschichten mit einem machen können und wie sie einen reinziehen können.

 

Ist es für professionelles Storytelling hilfreich, einen längeren Lebenslauf zu haben, um sich dessen bewusst zu sein? Oder liegt es schlicht an den in immer schnellerer Frequenz rausgeschossenen Postings in Social  Media?

 

Einmal liegt es am veränderten Medienverhalten, also daran, dass man heute sehr schnell sehr viele sehr unterschiedliche Inhalte wahrnehmen und aufnehmen können muss. Wenn du dir heute eine Folge von Dallas, Denver oder Bonanza anschaust, dann ist das ja kaum noch auszuhalten, wie lang diese Szenen sind, wie lang diese Dialoge sind …

 

… und zwischendurch muss sich Sue Ellen immer mal einen Whiskey einschenken …

 

… und Bobby steht wieder so lange unter der Dusche. Das hat sich ja total verändert, das ist viel schneller geworden, du musst alles viel  schneller erfassen. Ich glaube auch, dass Menschen, und das ist vielleicht noch nicht mal altersabhängig, einfach viel ungeduldiger geworden sind. Sie wollen schneller an den Kern kommen, sie wollen schneller wissen, was das Thema ist. 

 

[Für diejenigen, die nicht so vertraut mit „Dallas“ sind: 1985 ließen die Drehbuchautoren Bobby Ewing kurzerhand bei einem Autounfall sterben, doch sein Kollege Larry Hagman konnte Patrick Duffy nach einigen Monaten zur Rückkehr bewegen. Bobby erschien plötzlich unter der Dusche wieder und seine Frau Pam musste den Zuschauern erklären, sie habe alles nur geträumt.]

 

Du warst beim Thema TikTok etwas zurückhaltend, ob das Dein Beritt wäre. Kann es ein gut funktionierendes Miteinander von Jüngeren und Älteren geben, um zusammen die gesamte Klaviatur der Kommunikationskanäle synchronisiert abzudecken?

 

Unbedingt. Es kommt auch immer auf die Aufgabenstellung an. Was ich essenziell finde, ist das Miteinander: Ich kann von den Jüngeren lernen, was die triggert, und gleichzeitig können die von mir lernen, wie kann man eine Story aufbauen kann, um im Sinne des Kommunikationszieles auf den Punkt zu kommen.

 

Es gibt bei einigen auf einem LinkedIn-Profil das selbstbewusste Motto ,Stell’ dich auf  die Gen Z ein oder stell’ dein Unternehmen ein‘. Viele Unternehmen gehen nicht zuletzt aufgrund der medialen Sichtbarkeit der Gen Z im aktuellen Arbeitnehmermarkt und vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels offenbar eher auf die Forderungen der Jüngeren ein, als dass sie Menschen im Alter 40 oder 50plus einstellen.

 

Meine Kunden, die Geschäftsführer und die Vorstände, sind ja in der Regel alle Ü50, die kommen so wie wir beide aus einer Generation, in der das Thema Leistung einen ganz anderen Stellenwert hatte. Man kann jetzt darüber diskutieren, ob es gut ist, dass wir so viel Engagement in unsere Arbeit gesteckt haben und darüber vielleicht das Privatleben vernachlässigt haben. Da ist die Gen Z vielleicht ein bisschen schlauer, auf eine gute Balance zu achten. Gleichzeitig ist es für Unternehmen ein totaler Paradigmenwechsel, gerade wenn wir an klassische, alteingesessene Unternehmen denken, die nicht unbedingt eine Start-up-Mentalität haben, zu sagen, wir machen jetzt eine Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich. Das wird nicht funktionieren.


„Diese Fragen müssen aber beantwortet werden: Wie bekommen wir in Deutschland Wirtschaftsstabilität hin, möglichst sogar Wirtschaftswachstum?“


Der Versuch, die jüngeren Leute einzustellen, ist auf jeden Fall da. Aber viele müssen dann nach einem halben Jahr leider die Kündigung entgegennehmen. Und ich sehe bei meinen Kunden, dass sie jetzt tatsächlich eher wieder darauf gucken, Leute zu nehmen, die älter sind, die eine andere Einstellung zum Arbeitsleben haben. Diese Fragen müssen aber beantwortet werden: Wie bekommen wir in Deutschland Wirtschaftsstabilität hin, möglichst sogar Wirtschaftswachstum? Schaffen wir das mit einer Viertagewoche und wenn die Leute nur im Homeoffice sitzen? Was die Haltungen der Generationen zur Arbeit betrifft, liegt die Wahrheit wohl in der Mitte.

 

In dem Film „Rocky I.“ von 1976 steht der Underdog im Ring und steckt immer wieder krachende Schläge ein, aber er hält das alles durch und geht einfach nicht k.o.. Um bei dieser Metapher zu bleiben … glaubst Du, dass Jüngere heute eher davor zurückschrecken, einfach auch mal einzustecken, mit Rückschlägen zurechtzukommen und dennoch durchzuhalten?

 

Also, ich glaube, dass das Aufwachsen der jüngeren Generation sich doch sehr unterscheidet von der Art, wie wir aufgewachsen sind. Ich bin schon im Wohlstand aufgewachsen. Uns hat es an nichts gefehlt, es war aber auch nicht Geld im Überfluss da. Da hieß es: Wenn Du irgendwas haben möchtest, dann musst Du darauf sparen oder in den Ferien arbeiten gehen. Wenn Kids heute oftmals von den Eltern zur Schule gefahren werden, anstatt zu Fuß zu gehen, mit dem Fahrrad zu fahren oder den Bus zu nehmen … wir waren vier Kinder zu Hause, meine Eltern hätten uns was erzählt, wenn wir da jeden Tag zur Schule gekarrt worden wären. Dieses Beschützende, das hat nach meiner Beobachtung noch mehr zugenommen. 

Jetzt zu sagen, die ältere Generation hat alles falsch gemacht, weil sie zu viel gearbeitet hat, weil sie sich damit selbst vernachlässigt hat, finde ich schwierig. Ich glaube, dass die Gen Z in noch wohlhabenderen Verhältnissen aufgewachsen ist, davon profitiert und alles finanziert bekommen hat – von Smartphones über Laptops bis hin zum Studium mit Auslandssemester. Aus dieser Gewöhnung heraus wurde eine gewisse Anspruchshaltung entwickelt. Natürlich haben auch viele noch gejobbt neben dem Studium, aber ich glaube, dass überwiegend dieses Bewusstsein fehlt. Wenn die Kohle fehlt, dann gehe ich zu Papi und sage, dass es ein bisschen knapp gerade ist. Das ist dieser casus knacksus bei der ganzen Sache.

 

Ich erlebe es, dass die Konfrontation auf beiden Seiten manchmal verhärtet ist und denke, dass das einen konstruktiven Diskurs verhindert. Daher verwundert es mich schon, wenn Menschen Ü50 allein aufgrund ihres Alters nicht ernst genommen werden oder unter überzogen kritischer Beobachtung stehen. Ich erlebe das übrigens eher in der deutschen Agenturszene, weniger auf Unternehmensseite.

 

Das liegt vielleicht manchmal tatsächlich an der Konstellation, ich selbst erlebe das so nicht. Ich habe mal als Freiberufler über einen längeren Zeitraum sehr eng mit einem Marketing-Team zusammengearbeitet, und da waren alle schon deutlich jünger als ich. Aber das, was ich alles schon beruflich gemacht habe, das kann man nicht gemacht haben, wenn man 30 ist und auch nicht, wenn man 40 ist. Deswegen waren die immer sehr  offen für meine Expertise und für meine Erfahrungen, man hat sich da sehr eng ausgetauscht. Was das Durchziehen von Kampagnen betrifft, Projekte managen, das Team zusammenhalten, das kannten die in der Form so nicht. Und das habe ich als freie Mitarbeiterin irgendwann in die Hand genommen, weil es mir auf den Draht gegangen ist, dass nichts funktioniert hat in dieser Abteilung. Da hat man mir immer zugehört und ist mir gefolgt. Also, nicht alles war immer super, was ich gesagt habe. Es gab natürlich auch immer andere Aspekte, die wurden dann besprochen, und dann hat man gemeinsam entschieden, wie man’s macht. Aber dass ich nicht mehr gehört oder nicht mehr wahrgenommen wurde, habe ich nicht erlebt. 

Man  sagt ja, dass Frauen ab 60 nicht mehr gesehen werden, aber bei mir liegt das vielleicht an meiner speziellen Situation, denn wer mich anfragt oder mit mir sprechen will, der macht das sehr bewusst. Na, und der ruft mich kein zweites Mal an, wenn er das nicht interessant findet. 

 

Du hast ja eine sehr aufgeschlossene Art. Vielleicht wollen sich viele Ältere nicht ausreichend auseinandersetzen, oder sie sind im Gegensatz zu Dir doch recht festgefahren. Wenn ich Dich höre, merke ich, dass die Art und Weise, wie man miteinander umgeht, unglaublich wichtig ist.

 

Das glaube ich auch, und das ist ja auch so ein existenzieller Punkt, wenn man PR oder Öffentlichkeitsarbeit macht: Du musst einfach neugierig sein. Und neugierig sein heißt eben zuzuhören, aber auch Fragen zu stellen, um zu versuchen, ein Thema zu verstehen. 

Natürlich bin ich auch in vielen Bereichen eingefahren, aber ich muss in meinem Job, um weiterhin erfolgreich zu sein, die Neugier behalten und immer auch rechts und links gucken, Medien lesen, die mich zu neuen Themen und auf neue Gedanken bringen.


„Das ist eben das Thema Neugier, rechts und links gucken und verstehen wollen, wie etwas funktioniert.“


Ich hatte zum Beispiel einmal in der brand eins einen Artikel gelesen über ein Unternehmen am Niederrhein, das Kiri anpflanzt, den am schnellsten wachsenden Baum in Europa. Das Unternehmen heißt WeGrow, kannst du mal googeln, total spannend. Die haben den jetzt so gezüchtet, dass der total stracks nach oben wächst, dann kannst Du den nämlich auch so abholzen und – zack! – gleich in Bretter schneiden. Ich habe das für einen Kunden, der eine Produktlinie ökologischer gestalten wollte, in das Konzept eingebaut und wollte das in einem kleinen Schulterblick vorstellen. Der Vorstand hatte aber leider zu dem Meeting schon 15 Leute eingeladen – alles war dabei, Vorstand, und auch dass Produktmanagement. Na, da kommt also nun die PR-Tussi und sagt, wir brauchen für das Thema eine gute Story, und damit das auch alles glaubwürdig ist, machen wir das jetzt mit Kiriholz. Es hat ein bisschen gedauert, aber nach  drei Monaten sagt der Vorstand zu mir: ,Du kriegst ja noch die Produktmanagement-Krone für 2022, weil wir machen das jetzt  mit dem Kiriholz, und das funktioniert auch.‘ Und ich so: YES! 

Das ist eben das Thema Neugier, rechts und links gucken und verstehen wollen, wie etwas funktioniert. Ich glaube, diese Verknüpfung macht’s dann am Ende aus, obwohl immer alle sagen: Du musst Dich spezialisieren. Nein, das muss ich nicht.

 

Das ist interessant, weil es immer mehr Spezialisten gibt. Was sind eigentlich die abgefahrensten Unternehmen oder Projekte, für die du gearbeitet hast?

 

Ich muss  mal kurz überlegen, also von Bestattungsunternehmen bis Zahnmedizin war da eine Menge dabei. Ein außergewöhnliches Projekte war zum Beispiel der Extremschwimmer André Wiersig, der die Ocean’s Seven durchschwamm.

 

Oh, da ist ja das Projekt für sich schon Storytelling pur …

 

… ja, da musst Du eigentlich kaum etwas machen, der hat so eine tolle Geschichte. Das hat irrsinnig viel Spaß gemacht, und ich musste mich wieder in eine komplett neue Welt reindenken. Wahnsinnig spannend.

Dann durfte ich 2019 für Lightpower arbeiten, also Lichttechnik. Das Unternehmen entwickelt  Steuertechnik und baut die entsprechenden Pulte, und die  machen alle vier Jahre eine Convention für Veranstaltungstechniker. 400 Leute werden eingeladen, eine Riesenveranstaltung. Da kommen Referenten wie zum Beispiel der technische Leiter von Woodstock. Oder der ehemalige Light Director von Michael Jackson. Da sitzen dann also diese 400 Menschen im Publikum, und du kannst eine Stecknadel fallen hören, weil die den Leuten an den Lippen kleben, das ist einfach ein tolles  Projekt gewesen.

 

Können sich auch Jüngere so begeistert und tief in ein Thema reinfriemeln, besonders im B2B-Bereich, wenn es also nichts mit ihrer eigenen Lebenswelt zu tun hat?

 

Ich glaube, dass es oberflächlicher geworden ist, aber das hängt vielleicht mit diesem Medienverhalten zusammen. Ich kann mir mal gerade mal eben ein Snippet auf YouTube anschauen, oder ich kann mal eben hier und mal eben da reinswitchen, und in meinem Feed taucht eh nur auf, was mich interessiert. Die Begeisterung wird vielmals über die Onlinemedien gesteuert, das hat aber weniger mit den Themen und der Tiefe zu tun, als mit der Form der Aufbereitung an sich. Weil es so kurz ist, weil da immer etwas Neues kommt. 

 

Das eher Oberflächliche und immer wieder Neue, die Geschwindigkeit, mit der Begeisterung entfacht werden soll, auf der einen Seite – aber auf der anderen Seite aber auch immer wieder spürbare Beharrungskräfte bei Älteren. Manchmal ist es nur eine reflexhafte Abwehr gegen einen Zeitgeist, den man sicherlich auch kritisch sehen kann, manchmal ist es aber schlichtweg Ablehnung aus Gewohnheit. Wie können die Boomer für ein offeneres Zusammen mit den Jüngeren gewonnen werden?

 

Ich denke, das ist eine Frage von Führungsverhalten, ob hierarchisch bestimmt oder eben organisch wachsend. Ich habe das ja in dem Marketing-Team erlebt. Dieses Team ist total geschwommen und wusste nicht so genau, wie kriegen wir das jetzt alles zusammengeführt. Es war keiner da, der einen Überblick hatte und das steuern konnte. Ich habe das gemacht, ohne deren Vorgesetzte zu sein und ohne irgendwelche Befehle zu erteilen, sondern das ist alles im Teamwork entstanden, altersunabhängig.


„Die Leute, die einfach nur so zustimmen, die kündigen oftmals in drei Monaten.“


Ich halte zum Beispiel auch Workshops ab zum ,Werteentwicklung in Unternehmen’. Da merkt man sofort, wer es ernst meint und wer einfach so zustimmt. Die Leute, die einfach nur so zustimmen, die kündigen oftmals in drei Monaten. Und das ist gut, weil die das Team dann nicht mehr stören, dass sich auf ein Ziel verständigt hat, auf das alle gemeinsam zusteuern.

 

Dann sind die gemeinsame Arbeit an etwas und das an einem Strang ziehen also der richtige Ansatz, um generationsübergreifend erfolgreich zusammen zu arbeiten.

 

Genau, wie kann man gemeinsam etwas Gutes bewirken. Bei so einer Wertentwicklung werden die Leute ja mit einem Thema konfrontiert, über das sie sich im Unternehmenskontext noch nie Gedanken gemacht haben. Das Tolle bei diesem Workshopkonzept ist, dass Du Dich nie für Unternehmenswerte entscheidest, die gegen Deine Persönlichkeit sind, das harmoniert immer in irgendeiner Form. Und wo es nicht harmoniert, da gibt es nachher tatsächlich Konflikte, und die Leute gehen dann bald. Die merken das Unternehmen passt nicht zu mir. Das alles ist komplett altersunabhängig. 

Am Ende des Tages heißt es dann: Wenn dieses unsere  Werte sind und wir für jenes wahrgenommen werden wollen, dann müssen wir in Zukunft … und dann kann ich meistens gar nicht so schnell mitschreiben, wie die Ideen hochkochen. Das hat echt einen Gänsehautfaktor, weil die Leute genau wissen, was schief läuft, und jetzt haben sie die Chance, etwas einzubringen und es für die Zukunft besser zu machen.


„Mit dieser Lindy Hop-Fröhlichkeit kann ich mich immer wieder für die beklopptesten Themen begeistern.“


Sicherlich gibt es berechtigterweise viele Jüngere, die sich nicht gesehen oder gehört fühlen, weil sie als zu jung und unerfahren wahrgenommen werden. Es gilt also für beides Seiten, damit am Ende alles gut miteinander harmoniert. Apropos … gemeinsamer Rhythmus: Du tanzt Lindy Hop. Das hat eine tolle Power, etwas Leichtfüßiges, Beschwingtes, und das passt ja ganz gut zu Dir. Was macht Lindy Hop für Dich und Deine Arbeit aus?

 

Am Anfang  steht natürlich das Thema Musik. Swing ist für mich so eine Musik, da höre ich drei Takte und ich bin sofort gut drauf. Ich kann mich dem nicht entziehen. Du lernst zwar super Moves, aber letzten Endes ist jeder Tanz anders. Wenn du Lindy Hop lernst, dann ist das nicht wie beim Tanzkurs für Standardtanz, wo Du immer mit einem festen Partner tanzt und alle schon Schweißausbrüche kriegen, wenn es heißt Partnerwechsel! Beim Lindy Hop wechselst Du alle zwei, drei Tänze.  

Diese Offenheit zu behalten, sich auf andere Tanzpartner einzulassen, diese Wechselwirkung aus Improvisation, fröhlicher Musik und einer Community, die einfach unglaublich entspannt ist und sich auf Neues einlässt, das hat eben auch ganz viel mit meinem Beruf zu tun. Ich muss mich auch immer wieder auf neue Themen einlassen. Ich habe immer andere Gesprächspartner und kann mich mit dieser Lindy Hop-Fröhlichkeit immer wieder für die beklopptesten Themen begeistern. Aber wenn ich da mal so ein wenig gebohrt habe, finde ich immer eine gute Geschichte. Die Frage ist halt nur, muss man jetzt die vornivellierte Aufsatzmuffe nehmen oder die nachnivellierte Vorsatzmuffe. 

 

Sabine Gausemeier ist seit 1989 in der Kommunikations-Branche tätig. Bevor sie 2005 ihre PR-Agentur gründete, sammelte sie Erfahrungen in einer Werbe- und Veranstaltungsagentur und wechselte dann auf  die Seite von Unternehmen, wo sie acht Jahre in verschiedenen Marketing- und Kommunikations-Abteilungen arbeitete.


Von Out of Africa bis Südtirol

Lieblingssongs:

Something got me started von Simply Red

Think von Aretha Franklin

Lieblingsinterpretinnen:

Ella Fitzgerald

Aretha Franklin

Lieblingsbuch:

Der Fliegenfänger von Willy Russell

Lieblingshörbuch:

Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff

Lieblingspodcasts:

ZEIT online/ZEIT Magazin: Alles gesagt.

Lieblingsfilme:

Out of Africa

Ziemlich beste Freunde

Lieblingsserien:

Breaking Bad

How to get away with Murder 

Lieblingsmarke:

Apple

Lieblinsgreiseziele:

Marrakesch, Venedig, Thailand, London, New York, Südtirol …

Ich kann mich für viele Orte und Länder begeistern.

Lieblingsessen:

Fast alles aus der arabischen und orientalischen Küche.

Lieblingsspruch:

Sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Lieblingszitat:

Schreiben ist ganz einfach, man muss nur die falschen Wörter weglassen. (Mark Twain)

Unterirdisch finde ich …

… wenn ich ständig unterbrochen werde.

Ich chille am besten, wenn ich …

… auf türkisblaues Meer schauen kann.

Meine größte Freude ist es, …

… für Freunde zu kochen.


©Bild: Jared Sluyter auf Unsplash